Share the post "Ist Nachhaltigkeit Kunst? – Oder: Einfach die bessere Party!"

Ist Nachhaltigkeit Kunst? – Oder: Einfach die bessere Party!
Hinaus aus dem Nebel, hinein in die Entdeckungstour
Manchmal schleichen sich diese Tage ein – die, an denen alles schwerer wirkt, der Blick sich verdunkelt und die Hoffnung auf Veränderung sich weit weg anfühlt. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn die Welt draußen stiller wird und wir mehr Zeit zum Nachdenken haben, spüre ich das besonders. Die Nachrichten über Klimakrise, politische Stillstände und halbherzige Nachhaltigkeitsversprechen können einen lähmen. Es sind diese Tage, an denen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Gemeinwohl – ja, irgendwie alles, was sich für mich gut anfühlt – wie ein flüchtiges Gas aus dem Chemieunterricht anfühlt: schwer bis nicht zu fassen. Eine Vision, die durchaus bejaht wird, aber kaum in den Alltag geholt wird. Warum ist es so schwer, sie zur selbstverständlichen Lebensweise zu machen? Warum gelingt es nicht, dass Nachhaltigkeit zur „Party“ wird, zu dem Ereignis, auf das alle sehnsüchtig warten, das alle begeistert und verbindet?
Regionale Abenteuer halten fit
Doch anstatt mich in dieser dunklen Gedankenwolke zu verlieren, habe ich beschlossen, mich auf eine andere Art von Reise zu begeben. Weder ein großer Trip über den Ozean noch eine Flucht, sondern eine Entdeckungstour auf Etappen in meinem direkten Umfeld. Genau, in Wien. Einfach mal hinschauen, wahrnehmen, mich treiben lassen und offen sein für das, was oder auch wer sich zeigen will. Nicht um Antworten zu finden, sondern um Fragen zu stellen. Fragen, die sich zwischen Kunst, Gemeinschaft und dem Leben selbst bewegen.



Infosnacks beim Klima Wissensquiz
So begann ich meinen persönlichen Eco-Walk mit einer Freundin durch die vorweihnachtliche Stadt. Neugierig auf alles, was abseits der üblichen Wege lag. Statt an Punschständen und Gedränge fanden wir uns plötzlich im Pop-up Klima-Wissensquiz im Kaufhaus Gerngross wieder.
3D Klimaquiz in der Shopping Mall
Inmitten von Cardboard-Szenarien, zwischen interaktiven Fragen und überraschenden Fakten über CO₂, Bienenarten und einer Station, wo wir durch Spüren unser Wissen über natürliche und künstliche Stofffasern auf die Probe stellten, spürte ich, wie sich kindliche Neugier breitmachte wie der Duft von Weihnachtskeksen. Allein das Sitzen auf einem viel zu niedrigen Hocker katapultierte mich in mich als 10-jähriges Mädchen, das allein von den Bienennamen fasziniert war. Ohhh, wie spielerisches Lernen den Kopf freimachen kann! Wären wir nicht so knapp vor der Sperrstunde gekommen, hätten wir vermutlich doch eher Wissenssnacks zu uns genommen, statt einen Platz in einem der vielen vollen Restaurants zu ergattern. Weil Reservieren gilt bei so spontanen Ausflügen nicht!
2026 = Verspieltheit reinholen.
Auf der Suche nach einem Essensplatz unterhielten wir uns darüber, wie leicht es eigentlich sein kann, Freude und neuen Schwung in den eigenen Denk- und Gefühlsalltag zu holen, wenn wir denn nutzen wollen, was da draußen, gerade in den Städten, an vielfach auch kostenfreiem Angebot vorhanden ist.
Nachdem wir uns beim Klima-Wissensquiz spielerisch durch neue Fakten und spannende Themen gewühlt hatten, spürte ich so eine Art Knacken. Als ob in meinem Hirn Türen aufgegangen wären, so cracks. Können bereits so kleine Entdeckungen wie der Besuch dieses Pop-up-Stores unsere Herzen und Köpfe für Neues öffnen? Es fühlte sich für meine Freundin und mich an, als würden diese Momente den Blick weiten – weg von der Last, hin zu Möglichkeiten.
Von hier aus zog es mich weiter zu einem Ort, der zeigt, wie aus vermeintlichen Resten nicht nur Essen, sondern auch Gemeinschaft entsteht.
Die Tage und Wochen ziehen wir der Nebel durchs Land uns es ist bereits Februar, als mich mein Weg weiter zu Robin Foods führe. Einem Ort als Intiative, die nicht nur gerettete Lebensmittel und Menschen zusammenbringt.



Sind Kreise die neuen „Circles“?
In der gemütlichen Couchecke plaudere ich mit Mitinitiator David über Überfluss, Verschwendung, das Fehlen von Relationen. Wir tauschen uns aus über Kreise: über Organisation von Gruppen in Kreisen wie in der Soziokratie oder auch Holocracy. Unsere Themen schwenken zur Wertschätzung von Widerstand und wir landen beim Systemischen Konsensieren und der Kunst der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Aus der Küche duftet es die ganze Zeit schon köstlich nach Gemüsegerichten. Was die da wohl zaubern?
Lernorte für das Zusammenkommen
Nach einer kleinen Führung durch das aktuelle ebenerdige Vereinslokal lande ich dann doch noch im Zauberkessel – einem Wunderland aus fermentiertem Gemüse und Einmachgläsern. Und mir wurde nochmal auf einer ganz anderen Ebene klar: Nachhaltigkeit lebt von Gemeinschaft, von Vertrauen und davon, Verantwortung zu teilen ohne große Worte, einfach im Tun. Wie schön ist es, wenn Menschen auf Augenhöhe zusammenkommen, ohne Druck? Und doch wäre es romantisiert, wenn wir davon ausgehen würden, das wäre ein Kinderspaziergang. Nein. David erzählt auch von der Schwierigkeit, bei all dem urbanen Leerstand leistbare Räume für solche gemeinnützige Initiativen zu finden und zu bekommen. Vor allem, wenn es eben nicht um eine Hype-Initiative geht, sondern um etwas, bei dem es den mitwirkenden Menschen mal wirklich und nur um die „Sache“ geht.
Was treibt uns an, aktiv zu werden?
Bei Robin Foods wurde mir klar, wie viel Leben in geretteten Lebensmitteln steckt – und wie viel Herz in den Menschen, die dahinterstehen. Beim Plaudern auf der Couch wurde mir bewusst, dass unscheinbar und ungesehen wohl so viele nachhaltige Initiativen sind, und gerade deswegen vielleicht so wirksam und wichtig. Doch ich fragte mich auch: Wie schaffen wir es, diesen Geist noch größer und breiter zu denken? Wo tragen wir diese Haltung weiter?
Kreisläufe und Austausch
Ende Januar wurde ich zu einer Zusammenkunft mit für mich noch fremden Menschen eingeladen – Denker:innen und Macher:innen aus IT, Kunst und Kommunikation. In dieser Runde kommt mir der Gedanke zu den „Kreisen und Circles“ nochmals. Weil es im Gespräch um Orte des Austauschs ohne Zwang ging und wie wir egalitäre Kreise schaffen können, die keine weiteren Bubbles oder elitäre Circles schaffen, wie es vielfach in Salons der Fall war und auch noch ist.
Ist Entschleunigung das neue Schnell?
Mein Hirn tanzt Saltos. Wir machen zu wenig. Es geht zu wenig weiter, und das zu wenig schnell. Aber für wen eigentlich? Was, wenn wir Menschen als Menschheit eben genau dieses Tempo brauchen? Oder sind wir wirklich von ein paar wenigen Machtgierigen ausgebremst im Erhalt oder der Wiederherstellung eines einigermaßen gesunden Planeten Erde? Was, wenn es vielleicht sogar Entschleunigung braucht, aber eben von tief drinnen und nicht als Sabotage? Nun macht mein Hirn mit meinem Herz im Pas de deux luftige Doppelflips.
Zeit für reflektiertes Engagement
Vielleicht ist auch das nachhaltig oder vielmehr, regenerativ: Nicht jeder Gedanke braucht immer sofort eine Antwort oder Handlung.
Also nehme ich das Saatgut „Raus aus blindem Aktionismus“ weiter mit auf Reisen.
Die eindeutig bessere Party!
Die Erfahrung der Schnelligkeit, die der Entschleunigung innewohnt, nahm ich mit zum sustainabilityCAMP Vienna. Ein Barcamp: Das ist, wenn jede:r Teilnehmer:in eine Frage, aber niemand vorgefertigte Antworten mitbringt. Über 100 Teilnehmer:innen. Wir starteten mit einer Kurzvorstellung aller: Name, 4 Hashtag-Begriffe, die versinnbildlichten, womit jede:r hier war, und dazu eine Frage oder ein Thema für die Runde. Stell dir das bitte vor! Hand aufs Herz, wie oft bekommen wir innerliche Krätze, weil wir ungeduldig werden, wenn wir in Meetings mit 5 Personen alle anhören müssen. Es war irre genial. Schnell, lustig, alle wurden gehört. Super effektiv. Alleine das mal mitzuerleben, ist ein Grund, sich für das Barcamp nächstes Jahr anzumelden.
Unerhört gibt’s nicht
So wurden wirklich 100 Menschen in einer Stunde angehört. Alle eingesammelten Themen und Fragen wurden vom Veranstaltungsteam, den vier Facilitator:innen, so geclustert, dass einen Tag lang in 4 Räumen hintereinander jeweils 4 Events stattfinden konnten.
Nachhaltigkeit mit Bier & Brickerl
Das sustainabilityCamp war ein wundervoller Samstagnachmittag, der viel mehr Energie hatte als die stärksten Espressi im Lieblingscafé. Warum? Weil hier Nachhaltigkeit nicht als Pflicht angesehen wurde, sondern als kreative Herausforderung – als Einladung, neue Narrative zu spinnen, spielerisch zu denken und aus Zweifeln Mut zu machen. Menschen hörten hin, sie lauschten. Reden und Zuhören waren nicht nur Actions, sondern gelebte Haltungen, die wie Wellen stetig unsere Fragen und Ideen weiterbewegten. Nein, es war kein Kreis verkappter Scheinheiliger Ökos, sondern kritische Menschen aus allen Ecken der Unternehmens- und Wissenschaftslandschaft mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Menschen mit Ecken und Kanten, mit Hoffnungen und mit Visionen. Und genau deshalb war es so einfach, mit wildfremden Menschen ernsthaft zu blödeln und um die Ecke zu denken. Zum Beispiel, wie man den Brickerl-Effekt auch in Nachhaltigkeitszielen nutzen könnte.
Kraft und Verbundenheit spüren
Zwischen Sessions über Gamification und nachhaltige Entscheidungsfindung spürte ich eine Kraft, die mich tief berührte: das Wissen, dass niemand von den vielen Menschen hier, die sich offenbar in letzter Zeit auch immer öfter allein auf weiter Flur mit ihrer Vision fühlten, allein sein muss.
Der extra Shot Koffein für noch etliche Wochen und Wochenenden war, wieder einmal zu erleben, wie viel Energie frei wird, wenn eine große Anzahl von Menschen gemeinsam Räume öffnet und diese auch gemeinsam mit Ideen und Fragen füllt. Ein wahrlich gelungener Lernort des Zusammenkommens!
Aus dem Wald zur Natur im Museum
Anderer Tag, selbe Stadt. Immer noch Winter. Am Fußweg zum Kunsthaus kam ich an einer Blumenhandlung vorbei. Diese war im Servitenviertel. Ich kam vom Norden, wo ich bereits die Wälder in Neuwaldegg durchstreift hatte und dachte, ein bisschen Kunst zur Natur schafft auch seelische Ausgewogenheit.
Ich bremste meinen Schritt ein und ging zurück. Etwas im Schaufenster hat mich in den Bann gezogen. Auf einem laminierten Zettel stand:
Ein Same keimt nicht am 1. Januar. Er keimt, wenn die Bedingungen stimmen und das gilt auch für uns.
Geduld, Respekt und das leise Wachsen von Zukunft
Ich liebte solche Sätze. Sie waren wie ein Zehnerblock Coaching. Es war recht rutschig auf den Straßen. Es forderte mich, einerseits im Jetzt zu sein und achtsam zu gehen, andererseits meine Gedanken kommen und, ja, auch gehen zu lassen. Also gingen ich und meine Gedanken – Richtung Weissgerberlände. Je näher ich dem Donaukanal kam, desto windiger wurde es. Das graue Winterwien pfiff aus allen Ecken, während die Sonne sich schon seit Tagen nicht aus ihrem Rückzugsort hervorgewagt hatte. Ein paar Kinder spielten im vereisten Schnee zwischen den Resten von Neujahrsraketen und anderem Feiertagsmüll, der noch die Straßen bedeckte. Gedanklich war ich bei unserer westlich-mitteleuropäischen Art des Feierns gelandet. Gab es da etwas Typisches? Warum musste Feiern so einen (für mich) unangenehmen Nachgeschmack haben, wenn ich mir den Müll und die Energie ansah, die dafür aufgebracht wurde – und wofür? „Ach, sei nicht so“, sagte mein linker Bübü (Mind-Talker), und mit eiligen Schritten suchten meine Augen die richtige Gasse, um endlich beim Kunsthaus anzukommen. Denn es war schon etwas spät geworden. Nicht nur neblig, sondern auch wirklich dunkel.
Braucht die Zukunft Keimzellen für zarte Visionen?
„…Er keimt, wenn die Bedingungen stimmen – und das gilt auch für uns.“ Mitten im dunklen Nebel setzte ich Fuß vor Fuß. Ein Gedanke ließ mich stehenbleiben. Ich spürte die Geduld, die in diesen Worten wohnte. Veränderung braucht Zeit, wie der Boden, der sich erst nähren muss, bevor Leben sich zeigt. Können wir als Gemeinschaft wieder lernen, aufmerksam zu sein – für die Stimmen der Erde, die leisen Zeichen des Lebendigen, die Signale der Natur und die Bedürfnisse unserer Mitmenschen? Oder hielten wir an alten Gewohnheiten fest, die uns voneinander trennten? Ich erinnerte mich an Bruno Latour und seine Ausführungen zum Thema Kontrolle – oder vielmehr das Einlassen auf ein Miteinander, das wächst und sich wandelt. Vielleicht ist jedes „Keimen“ eine Einladung, uns an die möglichen Zukünfte zu erinnern, die entstehen können, wenn wir zusammen mit der Erde atmen und ihr mit Respekt begegnen.
Zahlen, Garderobe. Hier drinnen war es heiß. Ich hechtete die Stufen hinauf in die beiden Etagen zu Julius von Bismarck.
Zahlen, Garderobe. Hier drinnen war es heiß. Ich hechtete die Stufen hinauf in die beiden Etagen zu Julius von Bismarck.
Kunst statt Katastrophe
Ich stand vor einem wirklich riesigen schwarzweiß Bild. Ein See. Dunstig im Licht. Guter Wellengang. War das eine Lithografie? Eine Fotografie? Es erinnerte mich an Bilder aus der Zeit der Landschaftsvermessung. Also keine Fotografie. Ok. Technik hin und her. Was fühlte ich? Das Bild zog mich hinein und stieß mich gleichzeitig ab. Es ließ mich landkrank fühlen. Wumrig wurde mir. Und leicht übel. Kein toller Beginn. Wer will sich schon so fühlen? Wie sehr mich genau diese Frage noch weiter beschäftigen würde, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so recht klar.
Mensch und Natur – ein gewaltiges Verhältnis
Hinter mir erfuhr ich in einer Art Making-Of-Erzählung, dass der Künstler den gleichnamigen Bismarck-See mit großflächigen, mit schwarzen Wellenmustern bemalten Tüchern auslegte und fotografierte. Er legte ein Abbild der Natur über sie selbst. So ergab sich die Ästhetik, die tatsächlich an koloniale Landvermessung erinnern sollte. An jene Übergriffe an Land und Menschen, die die Existenz einer lange währenden Kultur der First Nation einfach rausradierten. Julius von Bismarck wiederholte die Landnahme zu Wasser und näherte sich damit einem Terrain, das scheinbar unberührter von kolonialistischen Eingriffszenarien wirkte. Allein der Name trug die Geschichte.
Aufbegehren gegen die Museumsverweigerung
Nun, nach zirka 90 Tagen Einwirkzeit der Ausstellung, war ein ein zweites Mal da. Warum das? Ich habe einen Newsletter erhalten, von Artists4Future. Und ich gehöre zu jenen, die abonnierte Newsletter zumindest überfliegen oder sich abmelden, um unnötigen Datenversand zu verhindern. Also hier lese ich: Einladung zur Führung durch „Normale Katastrophe“ mit der Kuratorin Sophie Haslinger. Nachdem Greenwebspace die Website von Artist4Future sponsert, dachte ich, es sei eine perfekt Gelegenheit, um mal jemand persönlich kennen zu lernen. Und eine Kuratorinnenführung, sehr gerne!
Bezwinger oder Befreier von Kontrolle?
Das zweite Mal in der Ausstellung kann ich mich nochmals anders auf die Werke einlassen. Besonders faszinierend fand ich „Den Himmel muss man sich wegdenken“. Ein wanbreites Screening einer Welle, die wie ein Bergmassiv sich kaum merklich bewegt und damit nicht nur die Idee von Größenordnungen und Zeit ziemlich ad absurdum stellt. Dadurch macht sich eine Demut in mir breit, eine Dankbarkeit, ähnlich jenem Moment, wenn ich nachts irgendwo einen Moment alleine für mich unter dem riesigen Firmament habe und wieder mal tief einatme, dass ich vermutlich wirklich nur einen sehr kleinen Aspekt des Universums oder des möglichen Multiversums kenne.
Um die Frage nach der Absurdität oder Konsequenz von Kontrolle ging es unter anderem auch in einem Video der Werkserie „Punishment“. Es zeigt Julius von Bismarck, wie er bis zur Erschöpfung und voller Zorn auf Naturelementen, in diesem Fall Meereswellen, mit einer meterlangen geflochtenen Lederpeitsche einschlägt und vergeblich gegen das tosende Meer ankämpft. Absurd?!
Wer oder was ist nun hier absurd?
Von der Kontrolle zur Hingabe
Konfrontation mit dem Ungesehenen
Ob es genau jene Momente sind, die manche in Dankbarkeit und manche in verzweifelnde Ohnmacht katapultieren, und die sich als Konsequenz dann entweder dienend oder bewusst zerstörerisch gegenüber dem Leben verhalten?
Das Feuer hat viele Gesichter
Im oberen Stockwerk konfrontierte uns Bismarck mit dem Element Feuer. Und wieder in einer Weise, die einen eindeutigen, schnellen Fingerzeig auf das Böse ad absurdum führt. Er zeigt, wie Feuerlegung benutzt wird, um gegen Wildfire als Konsequenz von Rodung, Dürre und Monokulturen anzukämpfen. Im Hintergrund lodern mythologisch anmutende Feuerlandschaften wie mystisch-destruktive Rorschachtests. Im Vordergrund von „Fire With Fire I“ stehen zwei Skulpturen: Feuerplätze von Menschenhand geschaffen. Andere Konstrukte zivilisatorischen Handelns. Das eine stellt das Friedensfeuer der Olympischen Spiele dar. Das andere Feuer ist ein Gemeinschaftsfeuer, ein Zeremonienplatz für das Zusammenkommen.
Risse im Nebel
Für mich war die Ausstellung ein Tanz zwischen Sorge und Hoffnung, zwischen Verlust und Neubeginn. Ein lebendiges Ringen, das wie ein Blitz tief in mich gefahren ist. Eine Auseinandersetzung, die von der Hingabe des Künstlers zeugt, dessen fühlender und wissenschaftlicher Zugang Werke schaffen, die wie Türen in eine Welt führen, in der wir leben, die wir so allerdings vermutlich noch nie gesehen haben. Das ist für mich immer wieder das Wunder von Kunst – wenn das Nüchterne mit dem Epischen und dem vermeintlich Unmöglichen ein Date hat, und die Zusammenhänge der Welt Gestalt annehmen können. Kunst, die Risse in unseren ach so stabilen Welten entstehen lässt, um uns die Lebendigkeit der Welt und damit unsere Handlungsmacht ins Bewusstsein zu bringen.
Die bessere Party: Die Zeremonie der Ungewissheit
Wie viel Mut können wir gemeinsam aufbringen, um aufzuhören, die Welt „retten“ zu wollen, und stattdessen damit zu beginnen, sie wieder in all ihrer widersprüchlichen, schmerzhaften und wunderschönen Komplexität zu bewohnen?
Und, wie sieht deine Version der „besseren Party“ aus?








